Relativsätze | Deutsch lernen A2/B1/B2
Relativsätze sind ein Thema, das / dem / mit dem / auf das / dessen...?!
Relativsätze braucht man, wenn man Nomen näher beschreiben möchte und das passiert sehr oft!
Hier mal ein paar Beispiele:
Wer ist dieser Mann? Welcher Mann?
🔹 Der Mann, der gestern angerufen hat.
🔹 Der Mann, den ich vorher mit dir beim Einkaufen gesehen habe.
🔹 Der Mann, dem ich beim Deutschlernen helfen soll.
🔹 Der Mann, dessen Foto auf deinem Schreibtisch steht.
🔹 Der Mann, mit dem du telefoniert hast.
Relativsätze sind Nebensätze, das Verb steht also am Ende steht und sie können nicht alleine stehen, weil sie sonst keinen logischen Satz bilden.
Relativsätze brauchen also ein Referenzwort und das ist meistens das Nomen vor dem Komma, denn das möchte man näher beschreiben.
Man kann sich einen Relativsatz auch selbst aus zwei Sätzen zusammenbauen:
Der Mann heißt Philipp. Der Mann kommt aus Düsseldorf.
Das Referenzwort ist der Mann, denn über ihn wollen wir mehr Informationen geben. Du hast zwei Möglichkeiten für Relativsätze:
🔹 Der Mann, der Philipp heißt, kommt aus Düsseldorf.
🔹 Der Mann, der aus Düsseldorf kommt, heißt Philipp.
Wichtig: Der Relativsatz kann direkt nach dem Hauptsatz stehen oder er steht in der Mitte eines Hauptsatzes.
💡 Achtung: Die Wörter nach dem Komma sind keine Artikel, auch, wenn sie so aussehen. Das sind Relativpronomen und sie ändern sich mit dem Nomen.
Das ist ein großes Problem für Deutschlerner, aber ich zeige dir jetzt ganz einfache Regeln, damit du das in Zukunft immer richtig machst!
1. Relativsätze im Nominativ
🔹Das ist der Student, der in meinem Wohnheim wohnt. 📚
🔹Die Katze, die bei meinen Nachbarn lebt, heißt Susi. 🐱
🔹Wo ist das Buch, das vorher auf dem Tisch lag? 📖
🔹Kennst du die Leute, die gestern eine Party gefeiert haben? 🎊
Du musst bei den Relativpronomen zwei Dinge beachten.
🔺 Erstens: Das Verb im Relativsatz.
🔺 Zweitens: das Nomen vor dem Komma.
Du brauchst beide Informationen, weil sie zusammengehören. Schau dir noch einmal die Beispiele an:
🔺 wohnt + Student: Das ist der Student, der in meinem Wohnheim wohnt.
🔺 lebt + Katze: Die Katze, die bei meinen Nachbarn lebt, heißt Susi.
🔺lag + Buch: Wo ist das Buch, das vorher auf dem Tisch lag?
🔺gefeiert haben + Leute: Kennst du die Leute, die gestern eine Party gefeiert haben?
Wir müssen immer „Wer/Was?“ fragen, damit wir als Antwort das Nomen vor dem Komma bekommen.
➡ Das bedeutet, dass die Nomen im Nominativ stehen und deshalb muss auch das Relativpronomen im Nominativ stehen.
Aber wir brauchen jetzt noch die zweite Information und die bekommen wir vom Nomen vor dem Komma:
der Student, die Katze, das Buch, die Leute (Plural)
Du musst wissen, welchen Artikel das Nomen vor dem Komma hat, dann kannst du das richtige Relativpronomen auswählen.
Relativpronomen im Nominativ:
maskulin | neutral | feminin | Plural |
der | das | die | die |
2. Relativsätze im Akkusativ
🔹Das ist der Student, den ich in der Bibliothek kennengelernt habe.
🔹Die Katze, die wir manchmal füttern, heißt Susi.
🔹Wo ist das Buch, das der Professor dir gegeben hat?
🔹Kennst du die Leute, die ich zum Essen eingeladen habe?
In diesen Beispielen gibt es Subjekte im Relativsatz und die gehören natürlich zum Verb am Satzende. Deshalb müssen wir Folgendes fragen:
Wen habe ich in der Bibliothek kennengelernt? ➡ den Studenten*
Wen füttern wir manchmal? ➡ die Katze Susi
Was hat der Professor dir gegeben? ➡ das Buch
Wen hast du zum Essen eingeladen? ➡ die Leute
*Achtung: Das Nomen Student gehört zur n-Deklination.
Und zu welchem Fall gehören die Fragen „Wen/Was?“ Natürlich zum Akkusativ!
❗ Wichtig: Im Hauptsatz kann auch ein anderer Fall stehen, z. B. der Nominativ oder der Dativ, denn der Hauptsatz und der Nebensatz sind im Prinzip zwei verschiedene Sätze, die sich durch ein Nomen und ein Relativpronomen in der Mitte treffen.
Wir schauen uns noch mal das zweite Beispiel an:
Die Katze, die wir manchmal füttern, heißt Susi. 🐱
Dieser Satz besteht eigentlich aus zwei Hauptsätzen.
Die Katze heißt Susi. Wir füttern die Katze manchmal.
Im ersten Satz ist die Katze das Subjekt und steht im Nominativ, denn wir fragen: Wer/Was heißt Susi?
Im zweiten Satz ist sie aber das Akkusativobjekt, denn das Subjekt ist „wir“.
Wen/Was füttern wir? ➡die Katze
Und aus diesem Grund müsst ihr das Verb im Relativsatz analysieren, denn das zeigt euch, ob das Relativpronomen im Nominativ, Akkusativ, Dativ oder Genitiv steht.
Und wie im Nominativ seht ihr am Nomen vor dem Komma, ob das Relativpronomen maskulin, feminin oder neutral ist und ob es im Singular oder Plural steht.
Relativpronomen im Akkusativ:
maskulin | neutral | feminin | Plural |
den | das | die | die |
3. Relativsätze im Dativ
Den Dativ erfragt man immer mit „Wem?“ und nur mit „Wem“.
🔹Das ist der Student, dem ich manchmal helfe.
Wem helfe ich? ➡ dem Studenten
🔹Die Katze, der mein Futter gut schmeckt, heißt Susi.
Wem schmeckt mein Futter gut? ➡ der Katze
🔹 Wo ist der Junge, dem das Fahrrad gehört?
Wem gehört das Fahrrad? ➡ dem Jungen*
🔹 Kennst du die Leute, denen meine Videos nicht gefallen?
Wem gefallen meine Videos nicht? ➡ den Leuten
*Achtung: Das Nomen Junge gehört auch zur n-Deklination.
💡 Die Verben helfen, schmecken und gehören sind Verben, die ein Dativobjekt haben, deshalb steht das Relativpronomen im Dativ.
Relativpronomen im Dativ:
maskulin | neutral | feminin | Plural |
dem | dem | der | denen |
4. Relativsätze im Genitiv
Der Genitiv ist ein bisschen speziell, weil er sich nicht auf das Verb am Ende des Relativsatzes bezieht, sondern auf das Nomen am Anfang.
🔹 Das ist der Student, dessen Freundin aus Kolumbien kommt.
Nach dem Genitiv fragt man immer „Wessen“:
Wessen Freundin kommt aus Kolumbien? ➡ die Freundin des Studenten
Die Katze, deren Fell ganz weiß ist, heißt Susi.
Wessen Fell ist ganz weiß? ➡ das Fell der Katze
Wo ist das Buch, dessen Einband rot ist?
Wessen Einband ist rot? ➡ der Einband des Buches
Kennst du die Leute, deren Auto immer vor unserem Haus steht?
Wessen Auto steht immer vor unserem Haus? ➡ das Auto der Leute
Relativpronomen im Genitiv:
maskulin | neutral | feminin | Plural |
dessen | dessen | deren | deren |
Übersicht Relativpronomen
| maskulin | neutral | feminin | Plural |
Nominativ | der | das | die | die |
Akkusativ | den | das | die | die |
Dativ | dem | dem | der | denen |
Genitiv | dessen | dessen | deren | deren |
💡 Alternativ zu „der, das und die“ kann man auch „welcher, welches, welche“, etc. sagen. Diese Formen benutzt man eher selten, da sie veraltet sind und oft stilistisch nicht so schön klingen.
Man benutzt „welcher, welches, welche“ gerne für solche Fälle:
🔹Der Mantel, der der Frau gehört, ist aus Baumwolle.
Ihr seht hier zuerst das Relativpronomen im Dativ und dann den Artikel für Frau im Dativ.
Um das doppelte „der“ zu vermeiden, kann man auf „welcher“ ausweichen:
🔹 Der Mantel, welcher der Frau gehört, ist aus Baumwolle.
Das kann man auch mit „die“ machen:
🔹 Die Prüfungen, die die Studenten schreiben müssen, sind oft schwierig.
Alternativ: 🔹Die Prüfungen, welche die Studenten schreiben müssen, sind oft schwierig.
Übrigens: Im Genitiv gibt es diese Relativpronomen nicht. 😉
🔹 Relativsätze mit Präpositionen
Wenn du in einem Relativsatz ein Verb mit Präposition nutzt, brauchst du die Präposition natürlich auch! Der Satz sieht dann so aus:
🔹Die Katze heißt Susi. Ich passe öfter auf die Katze auf.
↪ Die Katze, auf die ich öfter aufpasse, heißt Susi. (aufpassen auf + Akkusativ)
🔹Kennst du die Leute? Ich spreche gerade mit den Leuten.
↪ Kennst du die Leute, mit denen ich gerade spreche? (sprechen mit + Dativ)
🔹 Die Frau ist schon sehr alt. Ich gehe mit dem Hund der Frau spazieren.
↪ Die Frau, mit deren Hund ich spazieren gehe, ist schon sehr alt.
💡 Das Relativpronomen steht jetzt nicht mehr direkt nach dem Komma, denn dort muss die Präposition stehen und die Präposition sagt euch, ob ihr den Akkusativ, den Dativ oder den Genitiv braucht.
🔹Relativsätze mit wo, was und wo(r)+Präposition
🔹Die Stadt, in der ich wohne, ist schön.
💡Man kann hier auch sagen: Die Stadt, wo ich wohne, ist schön.
Hier sind noch mehr Beispiele:
🔹Das Café, wo wir uns kennengelernt haben, gibt es nicht mehr.
🔹 Felix will nach New York ziehen, wohin sein Bruder auch schon gezogen ist.
🔹Ich fahre nicht oft in das Dorf, woher ich komme.
❗ Achtung: Das funktioniert eigentlich nur bei Orten. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme: 😇
Jetzt, wo wir im Urlaub sind, haben wir mehr Zeit für uns selbst.
Hier bezieht sich das „wo“ nicht auf einen Ort, sondern auf eine Zeit.
💡 Relativsätze können sich auch auf ein anderes Pronomen beziehen. Das heißt, es steht nicht immer ein Nomen vor dem Komma:
🔹Nicht alles, was im Internet steht, ist auch richtig.
➡ Relativsätze, die sich auf Pronomen wie alles, nichts, etwas, das oder einen ganzen Satz beziehen, beginnen mit was.
Die deutsche Sprache ist ziemlich schwierig, was für viele ein Problem ist. ➡ Das Pronomen bezieht sich auf den ganzen Satz.
🔹 Dieser Job ist das Beste, was dir passieren konnte.
➡ Auch bei nominalisierten Adjektiven oder Superlativen steht im Relativsatz was.
🔹Mein Cousin hat die Prüfung bestanden, worüber er sich sehr gefreut hat.
Das Relativpronomen bezieht sich auf den ganzen Satz, also wäre es eigentlich was, aber weil das Verb „sich freuen“ die Präposition „über“ hat, wird was zu worüber.
🔹Genauso hier: Seine große Schwester hat ihm beim Lernen geholfen, wofür er ihr sehr dankbar ist.
Jetzt weißt du wirklich alles über Relativsätze, was du wissen musst! 💪
Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Deutschlernen und hoffe, du schaust dir auch die nächste Lektion wieder an.
Viele liebe Grüße
Deine Deutschlehrerin Julia 😊